Mit dem Umweltbericht 2017 veröffentlicht die Stadt Winterthur Zahlen und Fakten zum Zustand der Umwelt. Insgesamt sind die Befunde positiv: Winterthur bietet trotz wachsender Bevölkerung und Mobilität eine hohe Umwelt- und Lebensqualität. Die fortschrittliche Energie- und Klimapolitik zeigt in vielerlei Hinsicht Wirkung. Trotzdem besteht nach wie vor insbesondere in den Bereichen Treibhausgasausstoss und Luftqualität grosser Handlungsbedarf, um die langfristig gesetzten Ziele zu erreichen.

Die Stadt Winterthur hat 2016 eine umfassende Umweltstrategie erarbeitet, um unter den Herausforderungen des Klimawandels und Bevölkerungswachstums weiterhin einen optimalen Umweltschutz zu gewährleisten. Die Umweltstrategie beinhaltet verschiedene Ziele in neun Umweltbereichen und setzt umweltpolitische Schwerpunkte. Der Umweltbericht 2017 bildet diese Strategie ab und erscheint als detaillierter Fachbericht erstmals nur noch elektronisch. Für die Bevölkerung wurde zudem eine Faltbroschüre «Umweltfakten 2017» erstellt, welche die Kernaspekte des Umweltberichts enthält und den Fokus auf die in der Strategie definierten Schwerpunktthemen legt.

Energie- und Klimapolitik: Erfolge, Stagnation und steigende Herausforderungen

Die Winterthurer Bevölkerung hat sich 2012 (Annahme des Gegenvorschlags zur Volksinitiative «Winergie 2050») den Grundsätzen einer 2000-Watt-Gesellschaft verpflichtet und hierzu drei konkrete Zielsetzungen definiert: Bis 2050 sind Primärenergieverbrauch und Treibhausgasausstoss auf 2000 Watt bzw. 2 Tonnen CO-Äquivalente pro Kopf zu reduzieren, und die Energieversorgung soll ohne Kernkraft erfolgen. Neben diesen Zielwerten für 2050 wurden auch Zwischenziele für die Jahre 2020 und 2035 festgelegt («Absenkpfade»). Die aktuelle Bilanz für Winterthur fällt zwiespältig aus: Die für 2020 gesetzten Zwischenziele betreffend Primärenergieverbrauch und Treibhausgasausstoss wurden bereits erreicht, und der Kernenergieanteil liegt unter 20 Prozent – im Jahr 2012 lag der maximale Anteil noch bei 48 Prozent. Der Treibhausgasausstoss hat sich jedoch seit der letzten Berechnung im Jahr 2012 nicht weiter reduziert. Gemäss definiertem Absenkpfad müsste er sich aber laufend und in den kommenden Jahren nochmals deutlich senken.

Wirksame Massnahmen im Gebäudebereich und beim Verkehr weiterhin nötig

Die Entwicklung bei den Gebäuden, deren Beheizung 30 Prozent des Primärenergieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen ausmacht, ist erfreulich: Heizungen mit fossilen Energieträgern werden laufend durch umweltfreundliche Heizsysteme ersetzt, und diverse Gebäudesanierungen tragen zur Reduktion des Energiebedarfs bei. In den Jahren 2013 und 2015 wurden die Wärmeverbünde Zinzikon und Waser durch Stadtwerk Winterthur in Betrieb genommen. Quartierwärmeverbünde bergen auch weiterhin grosses Potenzial, um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, und sollen dort, wo sie sinnvoll und tragbar sind, geplant werden. Mit Blick auf die Zielerreichung der 2000-Watt-Gesellschaft ist es entscheidend, diese Massnahme trotz der wirtschaftlich herausfordernden Rahmenbedingungen weiterzuführen. Auch der Verbrauch fossiler Treibstoffe geht seit 2008 geringfügig, aber kontinuierlich zurück. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, muss jedoch eine weitere Verkehrszunahme vermieden und der Umstieg auf ressourcen- und klimaschonendere Verkehrsmittel vorangetrieben werden.

Luft- und Lärmbelastungen nach wie vor zu hoch

Die Luftbelastung in Winterthur nimmt dank technischem Fortschritt, konsequentem Vollzug der Rechtsgrundlagen und einer sensibilisierten Bevölkerung seit Jahren stetig ab. Trotzdem überschreiten einzelne Schadstoffe an neuralgischen Stellen oft, teilweise sogar permanent die gesetzlichen Grenzwerte. Um diese dauerhaft einhalten zu können, sind zusätzliche technische Optimierungen und eine weitere Reduktion des Verbrauchs von fossilen Treib- und Brennstoffen zwingend nötig. Die zunehmende Mobilität bringt auch Lärm mit sich: Ein Fünftel der Winterthurer Bevölkerung leidet unter Lärmimmissionen über dem zulässigen Grenzwert. Die Stadt Winterthur wirkt dem entgegen, indem sie Flüsterbeläge und Schallschutzfenster einbaut oder Tempo-30-Zonen einrichtet.

Vielfältiger Stadtraum bleibt erhalten trotz zunehmender Dichte

Die Winterthurer Bevölkerung wächst seit Jahren um mehr als ein Prozent jährlich. Durch die Strategie der Innenentwicklung hat die Nutzungsdichte in den letzten Jahren laufend zugenommen. Dennoch sollen öffentliche und private Grün- und Freiräume auch künftig als Orte der Erholung und zum Schutz der Biodiversität erhalten bleiben.
Die Stadt Winterthur ist mit ihrer Umwelt- und Klimapolitik auf Kurs, greifende Massnahmen wurden und werden weiterhin realisiert, neue kommen laufend dazu. Dies allein wird allerdings nicht reichen. Wir alle sind weiterhin gefordert, das eigene Verhalten zu überdenken, um künftigen Generationen ähnliche Umweltbedingungen zu hinterlassen, wie wir sie aktuell vorfinden. Auch in Winterthur sind die direkten Folgen des Klimawandels mit Hitze und Trockenheit im Sommer und dem Phänomen des städtischen Wärmeinsel-Effekts bereits spürbar. Es heisst also, am Ball zu bleiben.

Der Umweltbericht der Stadt Winterthur erscheint seit 1988 zum neunten Mal. Er wird alle vier Jahre von der «Organisation Umwelt und Energie» der Stadt Winterthur herausgegeben.

Die Faltbroschüre «Umweltfakten 2017» kann kostenlos bestellt werden unter: umwelt@win.ch.



Dieser Artikel wurde zuerst publiziert in Medienmitteilungen.